HojoTsuka Forum

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 Betreff des Beitrags: Re: Equilibrium
BeitragVerfasst: Do Dez 11, 2008 1:12 am 
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"Boah verdammt Puchi! Du kleine Ratte! Was soll das?" knurrte ich und versuchte Paraks dekoratives Anhängsel von mir los zu bekommen. Als ich Puchi endlich zu fassen bekam richtete ich mich auf und grinste ihn an. "Na? Das hättest du nicht gedacht, oder?" fragte ich Puchi, der mich daraufhin genauso interessiert ansah, wie er es stets bei Parak tat.

"Schau nicht so. Man könnte ja meinen, dass du meinen Kopf für eine Nuss hältst."

Kaum hatte ich diesen Satz beendet, begann Puchi sich wie wild in meiner Hand zu bewegen. Dass dieses Tier auch nie stillhalten konnte. "Was ist das überhaupt für ein Ding? Hey! Parak!" rief ich und blickte kurz in seine Richtung. Als ich mal wieder keine Antwort bekam, schleuderte ich Puchi einfach in ein Fass voll Regenwasser und ging zu meinem Gefährten. Ich stellte mich direkt neben ihn und klopfte drei mal sanft auf seinen Kopf.

"Jemand zu Hause? Paaaaaaraaaaak..."

Stille. Wollte der Kerl mich verarschen oder meditierte der mit offenem Mund im Stehen?

"Macht dir das böse Haus Angst oder was hast du auf einmal?" fragte ich. Dieses Mal etwas ruhiger als sonst. Keine Antwort. Oh man. Parak schien vollkommen weggetreten und ich verdrehte die Augen. Er würde sich schon irgendwann wieder einkriegen. "Deine hyperaktive Wasserratte nimmt übrigens gerade ein kühles Bad."

Ich versuchte ihn mit diesem Satz eine Reaktion zu entlocken. Das gelang nur bedingt, denn alles was ich bekam war ein leises "Hm..."

Ich hatte eingesehen, dass ich erst wieder mit Parak kommunizieren konnte, wenn sein Gehirn aus der Bar wieder in seinen Kopf zurückgesprungen war. Das konnte aber dauern, denn von innen war ein ungeheures Getöse zu hören. Da schien jetzt die Hölle los zu sein. Meine Augen wanderten zu Puchi. "Danke. Jetzt bekommen Andere zu spüren, was eigentlich für mich gedacht war. Ich hätte diesen Mistkerlen schon Manieren beigebracht."

Die Situation war vollkommen aus dem Ruder gelaufen. Fast wie Feuer, das man entfachen aber nicht kontrollieren konnte. Ich suchte die Schuld. Bei mir? Nein. Ich war nicht schuld. Das Verhalten dieser Gäste hat mich dazu getrieben die Ehre der Tänzerin zu verteidigen. Ich hatte das Richtige getan. Genau wie...

"Der Musiker!" rief ich und ballte schlagartig meine Fäuste. Er war immernoch in dem Wirtshaus. Oh Mist. Er wollte mir helfen. Die werden ihn dafür lynchen! Nein. Ich muss ihm helfen!

Ohne weiter nachzudenken ging ich mit großen Schritten auf den Hinterausgang der Bar zu.

"Bin gleich wieder da Parak."
"Hm..."
"Überschlag dich nicht..."
"Hm..."

Als ich an der Tür ankam, wurde diese mit Gewalt geöffnet und der Typ von eben stürmte blind auf mich zu. "Hey! Alles in ..." begann ich doch er überrannte mich. Wieder fand ich mich auf dem Boden wieder. Diese Stadt war der reinste Hexenkessel. Die horizontale Stellung bei Reisenden auszulösen schien hier ein Volkssport zu sein. Das konnte nicht gesund sein. Dem musste ich ein Ende setzen.

"Hey! Sag mal spinnst du?" rief ich und fegte den Musiker mit einem geschickten Tritt von den Füßen worauf auch er unsanft landete. Nun lagen wir beide auf dem Boden. Gleichstand.

"Was sollte das da drin? Ich habe deine Hilfe nicht gebraucht! Was ist mit dem Wirt?"

Die Sätze schossen unkontrolliert aus meinem Mund während wir beide uns schon fast synchron aufrichteten und unsere Kleidung zurecht zogen. Der Musiker sah nicht so abgefahren aus wie Parak und hatte einen total anderen Blick. Eindeutig ein Stadtmensch. Oder zumindest einer, der schon lange in einer Stadt lebte.

"Wer bist du überhaupt und wo ist die Tänzerin?"

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 Betreff des Beitrags: Re: Equilibrium
BeitragVerfasst: Do Dez 11, 2008 2:08 am 
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Ich hatte in mitten des hereinbrechenden Tumults gerade noch so meine Haut retten können und folgte den beiden Jungen nach draußen, da stieß ich mit dem Hitzkopf zusammen, der für die Schlacht im Wirtshaus verantwortlich war und der Knabe hatte nichts besseres zu tun, als mich von den Beinen zu holen und mich dann nach meinem Namen und der Tänzerin zu fragen... Neugierig und nur Frauen im Kopf...

"Gestatten, ich bin Jifu, der örtliche Schulmeister. Ich bringe den Kindern dieses Ortes das Lesen, Schreiben und Rechnen bei. Nebenbei pflege ich auch die schönen Künste sowie das Musizieren."
Na toll, der schaut schon so, wie alle schauen, die einen Lehrer treffen... er mochte seinen Unterricht selbst nicht gerne und ich bin im ersten Moment unsympathisch. Den ersten Eindruck können wir schon mal vergessen.
"Wo die Tänzerin hin ist, kann ich nicht sagen, ich habe sie heute Abend zum ersten Mal gesehen. Aber ich vermute sie ist klug genug um sich möglichst weit von der Wirtschaft zu entfernen, was wir, mit Verlaub bemerkt, auch tun sollten."

"Hör mal Freundchen, wir sind gerade erst in der Stadt angekommen. Hast du eigentlich auch nur den blassesten Schimmer, wie lange ich in der Wildnis unterwegs war? Ich werd doch nicht wegen ein paar aufgebrachten Idioten das Feld räumen und hier verschwinden. Ich bin doch gar nicht Schuld an der Misere! Die haben doch angefangen! Außerdem hat Parak hier", er zeigte auf den Jungen mit den epileptischen Anfällen, "noch was in Kahrein zu erledigen! ... Wenn er wieder zu sich kommt..."

Die beiden waren schon etwas komisch, der eine etwas aufbrausend, der andere entweder wild zuckend am Boden oder in totaler geistiger Abwesenheit. Wahnsinn, wo war ich da nur eingestolpert?

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 Betreff des Beitrags: Re: Equilibrium
BeitragVerfasst: Do Dez 11, 2008 6:48 am 
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Geduckt hockte ich zusammen mit dem jungen Mädchen versteckt hinter Mesan.
Das junge Mädchen starrte mich mit einer Mischung aus Bewunderung und Angst an.
Bisher hatten uns die Männer die vor dem Stall standen noch nicht bemerkt.
Nur der jüngere starrte ständig in unsere Richtung, ich war mir nicht sicher ob er uns bemerkt hatte.
Still lauschte ich den Gesprächen.

Nach einer Weile beruhigte ich mich, denn offensichtlich waren die Männer nicht darauf aus, mich zu belästigen.
Ich lächelte dem Mädchen aufmunternd zu und sattelte Mesan leise.
Als ich mit Mesan am Zügel auf die Männer zukam, fuhren sie herum. Ich blieb aprupt stehen und wurde prompt gerempelt.
Das Mädchen war mir dicht auf den Fersen geblieben.

"So ihr Lieben", begann ich, "danke für euren heldentum, aber leider habt ihr mich um meinen Verdienst gebracht!"

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Es grüßt Alexandra mit Schnutenbande =)
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 Betreff des Beitrags: Re: Equilibrium
BeitragVerfasst: Sa Dez 13, 2008 1:38 pm 
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Die Männer guckten verdutzt. Sie wussten scheinbar im ersten Moment nicht was sie sagen sollten.
"A-a-aber wir wollten doch nur..." brachte der eine dann stammelnd hervor.
Doch bevor die drei ihre Diskussion fortführen konnten, kam mein Vater wütend aus dem Wirtshaus getrampelt. Sucht er mich? Ich hatte Angst und drückte mich noch näher an die Tänzerin. Ich will nicht weiter wie sein Sklave behandelt werden.
Ich fasste all meinen Mut zusammen, und fragte die Tänzerin "Nimmst du mich mit?" Ich hatte Angst, dass sie nein sagte, aber was konnte ich schon verlieren? Ich sah ihn in meinen Gedanken schon wieder mit seinem braunen Ledergürtel in der Hand...
Doch bevor ich meine Gedanken zuende führen konnte, spürte ich zwei schlanke Hände in meiner Taille, und wurde auf das Pferd gehoben. Sie hatte also nicht nein gesagt. Hat sie überhaupt etwas gesagt? Die Tänzerin sprang elegant hinter mich und rief: "Los Mesan, weg hier!" und zu den Männern gewandt "Den Verdienst schuldet ihr mir noch, sehen wir uns am See?" Wir waren jedoch schon zu weit weg um die Antwort der Männer noch hören zu können und ritten hinein in den dunklen Wald.


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 Betreff des Beitrags: Re: Equilibrium
BeitragVerfasst: Di Dez 16, 2008 12:37 pm 
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Es wurde immer verrückter. Absolut verwirrend. Die Tänzerin schien alles Andere als dankbar für die Hilfe zu sein. Sie und ihr sabbernder Gaul preschten davon. Ich blickte ihnen nach und verstand klar und deutlich die Worte dieser Tanz-Zicke. "Verdienst. So nennt man es also, wenn man seinen Körper prostituiert und dann schmutziges Geld an sich reißt" murmelte ich und blickte dann zum örtlichen Schulmeister, Jifu. Da er sich mir vorgestellt hatte tat ich dies auch.

"Mein Name ist Nino und der da ist Parak" erklärte ich und deutete auf meinen Begleiter, der nun mit offenem Mund dem längst verschwundenen Gaul hinterherschaute. "Es ist wohl etwas viel gewesen für ihn." Ich räusperte mich. Irgendwie war Parak mir gerade ziemlich peinlich. Was würde man wohl von mir denken? Parak wirkte ja schon fast krank.

"Er...Er hat noch nie eine Stadt wie diese gesehen. Er ist ein Fremder. Wo genau er herkommt weiß ich nicht. Wird wohl ein Dorf im Wald sein oder so. Ich habe ihn dort schließlich aufgelesen...naja. Wohl eher umgekehrt. Ohne ihn hätte ich niemals hierher gefunden."

Ich nickte Jifu kurz zu und ging dann zu Parak. "Hey. Gehts dir besser?" fragte ich ruhig und legte meine rechte Hand auf seine linke Schulter. Ich festigte meinen Griff immer weiter bis Parak herumfuhr und mir reflexartig mit der flachen Hand in mein Gesicht schlug.

"Aua! Wieso kneifst du mich, Nino?"
"Was meinst du mit Aua? Wieso schlägst du mich?"
"Weil du mich kneifst!"
"Stimmt doch gar nicht! Ich hab dich nur wieder aufgeweckt."
"Ich habe aber nicht geschlafen!"
"Ach so? Du warst vollkommen weggetreten, Parak! Jifu da kann es bestätigen."
"Jifu? Was ist ein Jifu?"
"Nicht WAS sondern WER! Er ist der örtliche Schulmeister."
"Schul...Schul...Schulwas?"
"Er ist ein Lehrer. Wahrscheinlich Musiklehrer oder sowas."
"Er macht Musik?"
"Ja."
"Echt?"
"Ja."
"Wirklich? Musik?"
"JA VERDAMMT NOCH MAL!"
"Hm..."

Ich seufzte. Parak war wieder da und drehte seinen Kopf langsam in Richtung Jifu. Ich rieb mir derweil meine Wange und ging dann in Richtung Puchi, der japsend am Rand des Fasses hing und mich mit großen Kulleraugen anblickte.

"Ich glaube du hast genug gebadet." sagte ich und packte den kleinen Spinner mit beiden Händen. Er zappelte dieses Mal nicht. Ihm schien die Puste ausgegangen zu sein. "Mensch. Du kannst ja richtig ruhig sein. Beeindruckend."

Parak hatte sich Jifu genähert. Und zwar ziemlich nah. Noch ein paar Zentimeter mehr und die zwei hätten kuscheln können. Ich grinste Puchi an und warf ihn dann im hohen Bogen durch die Luft. Er landete zielgenau auf dem Kopf von Parak, wo er sich trockenschüttelte. Das Wasser spritzte in alle Richtungen und ich musste mir schon das Lachen verkneifen als ich das Gesicht von Jifu sah.

"Ähm...wenn du trocken bist. Wo geht es zum See?"

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 Betreff des Beitrags: Re: Equilibrium
BeitragVerfasst: Mi Dez 17, 2008 2:09 am 
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Ich wischte mir mit meinem Ärmel das schmutzige Wasser aus dem Gesicht, dass Paraks Maushörnchen mir von Haaransatz bis Kinn verteilt hatte.

"Der See Wrud ist ein Gewässer, dass kaum die Bezeichnung see verdient hat. Er wird durch den Klekeo-Fluss gespeist, der an Kahrein vorbeifliesst. Wir können ihn praktisch gar nicht verfehlen, wenn wir uns Flussabwärts wenden."
Nino musterte mich: "Wir?"
"Mir scheint, ihr beiden könntet etwas Hilfe gebrauchen und irgendwie bin ich wohl auch an der entgangenen Gage Schuld. Es ist eine Frage der Ehre und der guten Sitten euch zu helfen", antwortete ich bestimmt.
Außerdem scheint der Junge Parak in Verbindung mit einem gewissen Volk zu stehen. Ich muss unbedingt mehr über ihn erfahren.

Ich schaute die Strasse hinunter. Fast schon unheimlich, so schnell wie das Ganze begann, war es auch schon wieder vorbei, die Tänzerin wie ein flüchtiger Traum entschwunden. Aber sie hatte Tam dabei. Die Geschichte entwickelte sich langsam aber sicher in eine unbekannte Richtung. Ich konnte nicht alles Überblicken und was mir mehr Sorgen machte, ich hatte die Lage nicht mehr unter Kontrolle. Sie war nicht entgleist, aber ich hätte im Moment auch nichts dagegen tun können. Das behagte mir nicht. Ich war es gewohnt, die Züge der anderen zu durchblicken und die Lage dann wieder unter meine Kontrolle zu bringen.

"Na dann mal los, wir sollten nicht hier bleiben und Wurzeln schlagen", kommandierte Nino und stapfte los Richtung Fluss, "na los Parak, dir behagt die Natur doch eh mehr als die Stadt!"
"Aber ich muss hier noch was abgeben!", protestierte Parak.
"Ich würde vorschlagen, wir gehen in mein Haus, die Nacht ist längst hereingebrochen und bevor wir morgen zum See gehen, könnte uns etwas Ruhe sicherlich nicht schaden."
Nino schaute mich an, "na gut", sagte er schließlich, "so eilig habe ich es eh nicht hinter der Ziege herzulaufen.
"Ziege? Aber sie ritt doch auf einem Pferd", wunderte sich Parak noch, als Nino ihn am Arm packte, mitzerrte und dabei die Augen verdrehte.

Ich führte die beiden zum Schulgebäude, in dem ich meine Unterkunft hatte. Ich bot den beiden noch einen Tee an und bereitete das Nachtlager vor. Der Schlafraum war mit Reismatten ausgelegt auf denen wir uns zur Ruhe legten. Ich gab den beiden noch jeweils ein Kissen und eine Decke, aber es war eine warme Nacht, sie würden die Sachen kaum benötigen. Nach all den Aufregungen heute Abend vergass ich leider Parak weiter auszuhorchen. Aber ich wusste, die Zeit würde alles fügen, nur nichts überstürzen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Equilibrium
BeitragVerfasst: Di Jan 13, 2009 1:10 am 
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hmmmm.
Nachdem ich es mir auf der Decke, die mir der Kerl - der heißt Jifu, ja genau so war's. - gegeben hat, gemütlich gemacht habe - das Kissen wollte ich nicht auch noch beanspruchen. Ich überreizte schon immer ungern die Gastfreundschaft anderer. Die Decke hatte ich auch nur genommen, weil dieser Boden in den Steinmonstern so hart war. Ich versuchte, den Abend noch einmal an mir vorbeiziehen zu lassen, damit ich morgen nicht schon wieder alles vergessen hatte.
"Ich bin gerade in einem Steinmonster. Sogar in einem sehr großen. Nein, sie heißen Heuser. Und ich war gerade in einem.... in einem... Moment mal. Jifu war Schulmeister, ja genau. Dann bin ich in einem Schulmonster. - Nein, Schulhaus. Ja genau. Puh."
Es war wirklich schwer. Es ist so viel passiert wie sonst nicht in einer ganzen Mondzeit¹, und ich befand mich in einer derart ungewohnten Umgebung, dass ich mich ganz unwohl fühlte. Ich krallte meine Hand um den Schlagstock von meinen Eltern, nur für alle Fälle. Ich konnte nicht schlafen, obwohl ich immer müder wurde.

Als mir schon ein Augenlid unkontrolliert zu zucken begann, war es schon lange hell draußen und die anderen beiden wachten auch langsam auf.
"Guten Morgen! Habt ihr beide gut geschlafen? Parak - das war doch dein Name? - du hast ja gar nicht das Kissen unter deinem Kopf, das ich dir gegeben habe."
Was hatte er nochmal gefragt? Ich bekam das nicht so ganz mit, ausgelaugt, wie ich es vor Müdigkeit selten vorher war. Ich drehte meinen Kopf nur träge zu ihm und starrte ihn fragend an. Das Augenlid begann heftig zu zucken. Ob das an der Bewegung lag? Jedenfalls schreckte etwas Jifu zurück. Aber was?
Langsam verstand ich die in meinem Kopf widerhallenden Worte Jifus.
"Äh, nein. Ich habe nicht so gut geschlafen. Aber dafür kannst du nichts. Eigentlich habe ich gar nicht geschlafen. Und das Kissen brauche ich nicht unbedingt, also nehme ich es auch nicht, weil es sonst nur Umstände für dich bedeutet.", während dieser Antwort, die mir wie eine stundenlange Rede vorkam, richtete ich mich so gut es ging, mit aller Zuhilfenahme meines Schlagstockes, auf. Puchi, der dicht bei mir schlief, wachte dadurch auf und krabbelte gleich putzmunter auf mir herum.
Nachdem auch Nino geweckt wurde - der sich anscheinend pudelwohl in dieser mir mehr als fremden Umgebung fühlte - lehnte ich unhöflicherweise Jifus mehr als gastfreundliches Angebot eines Frühstücks ab. Ich hatte keinerlei Appetit. Später sollte ich merken, dass ich durch meine Müdigkeit lediglich meinen Hunger nicht spürte, sonst hätte ich ganz bestimmt genauso viel gegessen wie dieser Vielfraß Nino. Die beiden anderen unterhielten sich, aber ich konnte mir nicht merken, was sie sagten. Ich vergaß schon den Anfang eines Satzes, bevor dieser vollendet war, auch wenn es nur ein "das Essen schmeckt aber gut." gewesen wäre. Nach einer gewissen Zeit, in der ich 50 Jahre gealtert sein muss (denn ich fühlte mich beim Aufstehen von diesem Stuhl träger und unbeweglicher als unser Dorfältester aussah. Und der hat schon mehr als nur zwei rote Monde gesehen), brachen wir auch gleich vormittags auf.
"Zu einem See gehts jetzt. Ja genau.", dachte ich mir, nur um mich sicherer zu fühlen. Ich stapfte den anderen beiden so schnell es ging (also auch mit vollem Einsatz meines "Wanderstocks") hinterher, aber irgendwie nutzte es nichts. Sie mussten ab und an immernoch stehen bleiben, nur damit ich sie nicht aus der Sicht (die mir auch schon schleierhaft wurde) verlieren würde. Ob mich eine junge Löwenschildkröte überholt hätte? Jedenfalls krabbelte Puchi wie tausend Nadeln durch meine Kleidung. Ich bräuchte nur eine Umgebung, in der ich mich sicher fühle, dann würde ich auch gut schlafen können.
Ja, ganz sicher.

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¹Mondzeit: wie in unserer Realität auch die Dauer eines Mondzyklus - 28 Tage


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 Betreff des Beitrags: Re: Equilibrium
BeitragVerfasst: Mi Jan 14, 2009 2:28 pm 
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Ich sah mich suchend um und versuchte dabei möglichst keinen Laut von mir zu geben. Das fiel natürlich nicht gerade leicht... zwar konnte ich meinen Atem recht ruhig halten, wie zum Teufel konnte man allerdings seinen Magen davon abhalten, laut zu knurren. Auch wenn ich es schon oft versucht hatte, es gelang mir nicht diese störende Laute zu unterdrücken. Ein Teufelskreis, da ist man schon hungrig und der Magen versaut einem durch seine Geräusche die Jagd, also wieder nichts zum Essen.

In der Stadt dicht neben dem Wald konnte ich auch nichts essbares auftreiben, immer dieses Geld, seltsame Sache, hat man viel davon ist man unglücklich, hat man keines ebenso. So kam es mir zumindest vor, wenn ich die Menschen betrachtete. Außerdem hatte ich keine Lust mehr mich dort länger aufzuhalten, umso kleiner die Menschenstätte, umso gemeiner waren sie meistens zu mir. Wie konnte das nur sein, dass sie mich mit so einem primitiven Katzenvieh verwechselten. Schließlich haben die Menschen doch auch Augen im Kopf und die Unterschiede sind doch nicht zu übersehen. Meine Erinnerungen schweiften ab. Mir wurde bewusst, dass es doch durchaus auch kleine Dörfer gab, in denen ich bereits nett und mit positiver Neugierde empfangen wurde... wie klein doch offenbar die Grenze zwischen Interesse und Ablehnung ist.

Aus den Gedanken wurde ich, wie sollte es anders auch sein, natürlich wieder von meinem Magen geholt.
"Ist ja gut, ich hab' schon verstanden" dachte ich mir und sah meinen Bauch grimmig an, vielleicht würde es ja helfen.
So langsam stieg mir das Blut in den Kopf. Nach einer Weile spürte man doch, dass man kopfüber an einem Baum hängt. Obwohl hängen vermutlich der falsche Begriff ist, schließlich waren meine Füße in diesem Moment mit dem Holz verbunden, kein wirkliches Problem für eine Pleligna. Das brachte mich direkt auf den nächsten Gedankengang. Wie konnten sich Menschen nur in diese... "Schuhe" reinzwengen, so kann man doch überhaupt nicht die Erde spüren, auf der man läuft. Scheinbar waren unsere Völker in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich, andererseits kam es mir auch wieder so vor, allsob wir nichts gemein hätten. Auf jeden Fall hätte ich gerne mal wieder jemanden aus meinem Volk gesehen und über alte Zeiten gesprochen, das war aber leider nicht mehr möglich...

Plötzlich vernahm ich ein Rascheln. Ob ich es mir nur eingebildet habe und es eigentlich - wieder mal - nur mein zurecht zorniger Magen war? Nein... jetzt erblickte ich den kleinen Keinohrhase. Deutlich größere Tiere als nie normalen Hasen, sie erinnerten von ihrer Größe doch sehr an die Sechsbeinrammler, nur eben mit zwei Ohren und zwei Beinen weniger. Ich konnte nicht anders als mir bereits auszumalen, wie lecker es schmecken würde. Die Jagd begann also... nur ein kleines Stüclchen weiter und das Tierchen würde in meiner Holzfalle stecken... lecker!!

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Kommt ein Cowboy zum Friseur...
.........
.....
...
...
Pony weg!!!!!


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 Betreff des Beitrags: Re: Equilibrium
BeitragVerfasst: Di Jan 20, 2009 11:42 pm 
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Beiträge: 201
Ich war noch ganz perplex, was passiert war. Wir hatten beide kein Wort gesprochen. Ich war durcheinander, was geschehen ist, war froh meinem Vater entkommen zu sein. Aber ich hatte auch Jifu in meinen Gedanken. Was mochte der Lehrer nun von mir denken, wenn ich morgen nicht in der Schule auftauche ist nicht mehr mein Vater schuld.

Nach einer gefühlten Ewigkeit, aber doch nur ein paar Kilometer vom Dorf entfernt, bremste die Tänzerin Mesan ab, er war auch schon ganz außer Puste.
"Ich bin übrigens Amuria. Und wie heißt du?", fragte die Tänzerin
"Tam." antwortete ich schüchtern.
Amuria, was für ein schöner Name, der passt zu einer schönen Tänzerin
Mir wurde langsam kalt und ich merkte, dass auch Amuria ein bisschen fröstelte.

Sie schwang sich vom Pferd und deutete mir auch hinunter zu springen.
"Lass uns einen Unterschlupf suchen und ein bisschen schlafen. Wir haben morgen noch einiges vor und die Rüpel werden uns hier im dunklen Wald auch nicht mehr finden."
Ich nickte nur und folgte ihr ins Dickicht. Ich hatte ein bisschen Angst vor einer Nacht im Wald, aber Amuria gab mir die Sicherheit und ich redete mir ein, dass wir ja auch einfach auf Mesan springen können, wenn doch etwas passieren sollte, und schnell weg reiten.


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 Betreff des Beitrags: Re: Equilibrium
BeitragVerfasst: Mo Apr 27, 2009 1:09 am 
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Beiträge: 237
Ich hatte ruhige, harmonische Träume...

Nach den ersten Augenblicken im Halbschlaf nahm ich recht schnell meinen Magen wahr, der mir mit krampfartigen Tätigkeiten beizubringen versuchte, dass er dringend etwas zum Verdauen haben will. Ich stützte mich ab und hielt mir mit der anderen Hand den Magen. Der Boden war weich. Ich fühlte mich großartig. War ich zu Hause?
Nein. Ich war im Freien, lag auf Gras, zwischen den Wurzeln eines reifen Baumes und war dennoch nicht daheim. Ich bemerkte recht schnell einige Menschen, die gerade so weit von mir entfernt zusammen saßen, dass ich aus deren Gemurmel nicht mehr die Worte heraushören konnte.
Ich griff in meine Provianttasche, um mit einer Hand voll Nüssen meinem Bauch zu schmeicheln. Ein leises Quietschen machte mich auf Puchi aufmerksam, der mich aus der Baumkrone fragend anstarrte.
"Ja, ich bin wach. Guten Morgen, Puchi!", ich lächelte ihn freundlich an.
Im dämmrigen Licht nahm ich seine Bewegungen nicht so scharf wahr, wie ich es von mir gewohnt war, zumal ich eben noch schlief. Langsam meldete sich meine Erinnerung wieder, wer da am Seeufer saß und was in den letzten Tagen passierte. Jifu hatte uns schließlich zu sich eingeladen um zu übernachten, und das nächste, woran ich mich erinnere, ist das Jetzt. Irgend etwas muss ich vergessen haben.
Ich richtete mich auf, dankte dem Baum mit einer Umarmung für seine Obhut, verneigte mich zum Abschied und spazierte schließlich zusammen mit Puchi zu den anderen.

"Parak! Du, wach?", schallte es aus Ninos Mund.
"Das kommt manchmal vor.", ich versuchte mich an seine Art zu Reden anzupassen, "Guten Morgen übrigens."
Irgend etwas an den Blicken der Anderen verriet mir, dass das nicht die Morgendämmerung war.
Neben Nino und Jifu waren auch die Frau und das Mädchen hier versammelt. Auch an das Pferd, das sich einige Schritte entfernt aufhielt, erinnerte ich mich. Mir wurde vegetarisches Essen angeboten, und ich konnte nicht ablehnen. Die Erwachsenen drei unterhielten sich, ich konnte ihnen aber sehr schnell nicht mehr folgen und konzentrierte mich auf mein Essen.
Das Mädchen saß still da und schaute abwechselnd zu den Drei anderen auf. Puchi brachte ihr eine Nuss und konnte so ihre Aufmerksamkeit gewinnen.
Nachdem er ihr die Kostbarkeit in die Hand legte, kroch ein zaghaftes "Danke." aus ihrem Mund.
"Das ist Puchi.", erklärte ich, "Er scheint dich zu mögen. Entweder er spürt, dass du vertrauenswürdig bist, oder er findet einfach nur, dass du gut riechst."
Ich lächelte, um meine auflockernd gemeinten Worte zu unterstreichen.
Aber sie blickte mich nur verwundert an.


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